Sie ist meine härteste Kritikerin, meine beste Lehrmeisterin, das Fundament auf dem ich heute stehe und der beste Mentor, den ich mir hätte wünschen können. Sie ist seit 12 Jahren an meiner Seite und vielleicht das größte Geschenk, das das Leben mir jemals gemacht hat: Meine Classic Pony Stute Lotta.

Seit ich Hermann Wetehoff und seine Classic Pony Stute Lady einmal live auf einer Show sah, war für mich klar, dass eines Tages ein Shetty einziehen würde. Ich wollte einen Zwerg ausbilden – so von A bis Z mit Dressur und Fahren und Zirzensik. Irgendwann… Dass dies nur zwei Jahre später geschah, war so zugegeben nicht geplant, doch 2005 traf ich auf Lotta und ich war mir sicher: Dieses Pony oder keines! Nach ein paar Stolpersteinen konnte ich im September 2005 tatsächlich den Kaufvertrag für meinen Traumzwerg unterschreiben und es begann in Sachen Pferd die wohl härteste Prüfung meines Lebens!

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Lotta aus der Krachmacherstraße

Deutsches Classic Pony

*24.01.2003

1,00m

Lotta kam aus einer Familie, die sie als „Spielzeug“ für die Tochter gekauft hatte – eine Bekannte hatte sie dort aufgegabelt und mitgenommen und so stand sie plötzlich eines Tages im Stall. Unsere erste Begegnung war pures Chaos – sie lief mehr auf zwei als auf vier Beinen neben mir her und überhaupt zeigte sie sehr schnell, was sie davon hielt sich vorschreiben zu lassen wie man sich als gut erzogenes Pony zu benehmen hatte, nämlich mal so absolut gar nichts! Ich war hin und weg von dem kleinen Terrorzwerg und nachdem sie schließlich in meinen Besitz übergegangen war begann eine spannende Zeit.

In all den Jahren, die ich nun mit Pferden arbeite, ist mir nie wieder ein Pferd begegnet dessen Charakterstärke auch nur annähernd an die von Lotta heranreichen würde. Sie hält sich für einen 2m großen Shire Hengst, lässt sich grundsätzlich nicht verbiegen und wenn es irgendwo eine noch so kleine Lücke im System gibt, kann man sich sicher sein, dass Lotta sie mit untrügerischer Sicherheit findet! Die ersten Wochen trat sie mir tagtäglich die Kniescheiben grün und blau, ließ mich fluchen und schimpfen weil sie sich mit rasend schneller Perfektion wieder und wieder in die Longe einwickelte um dann zufrieden grinsend (ich schwöre!) darauf zu warten, dass ich sie zum x-ten Male „auspackte“ und zeigte mir eindeutig, dass die Welt nur so funktionierte, wie sie sich das vorstellte. Kein Mensch hat es je geschafft dieses unendlich große Selbstbewusstsein je zu bändigen.

Lotta und ich führen eine „sehr gleichberechtigte Partnerschaft“, wie es eine Kollegin einst formulierte. Wir haben irgendwann einen Pakt geschlossen, der sie sein lässt wie sie ist und in dem ich durchaus Bitten und Vorstellungen äußern darf, die sie in der Regel auch akzeptiert – wenn sie will. Ich hab es irgendwann aufgegeben mit ihr auf Kurse zu fahren, weil sie andere Trainer einfach von je her grundsätzlich ignoriert oder sie dermaßen vorführte, dass wir dort irgendwann keinen Kursplatz mehr bekamen. So machten wir eben unser eigenes Ding und das sehr erfolgreich von den meisten gängigen Zirkuslektionen über Lektionen wie Piaffe, Terre á Terre und Kapriole am Langzügel bis hin zu einer absolut verlässlichen Ausbildung vor dem Wagen.

Mittlerweile sind wir beide etwas älter und ruhiger geworden. Zwei gute Freude, die viel gemeinsam erlebt haben und wenn ich mich an die Geschichten aus unserer wilden Zeit erinner, muss ich lachen und feststellen, wie schrecklich erwachsen wir doch geworden sind, so ruhig, sich selbst genug und zufrieden mit dem was wir haben… wo ich all das doch früher eigentlich nie sein wollte… und dann schaue ich Lotta an und was in der Ferne liegt kümmert mich nicht, denn obwohl ich tatsächlich mal ganz andere Vorstellungen von unserer Zukunft hatte und ich am Ende nicht das bekommen habe, was ich wollte und nicht das geworden bin, was ich hätte werden wollen, ist mir längst klar geworden, dass ich genau das bekommen haben, was ich brauche, genau das geworden bin, was mich glücklich macht und dass Lotta der große Schlüssel zu all dem war und ist.

Die Shows, die heute fest zu meinem Leben gehören, haben vor fast 10 Jahren mit Lotta begonnen. Auf Messen, Gala-Abenden und allen möglichen Events waren wir zu sehen und auch dort hat sie sehr deutlich gezeigt, dass sie eine kleine Diva ist, die ihre Freiheit liebt und für ihren Menschen alles gibt, wenn dieser sie respektiert wie sie ist. Je mehr Publikum sie wahr nimmt, desto mehr dreht sie auf – hat sie eben noch entspannt neben dem Lautsprecher hinterm Showring gedöst, hab ich einen piaffierenden kleinen Pseudo-Hengst an der Hand, wenn unsere Musik erklingt und sie den Showring betritt – 100% Lotta eben und wenn ich sage, dass die vielleicht größte Herausforderung in meinem Pferdeleben genau die Vorbereitung war, die ich für diesen Job brauchte, dann meine ich damit auch, dass die Kleinste unter ihnen allen mir wahrlich die größten Lektionen erteilt hat. Mein Weg wäre heute ein anderer, wäre sie nicht zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben getreten und ja, meine Einstellung zu meiner Arbeit mit Pferden sicherlich auch. Das was ich heute bin, hab ich zu großen Teilen Lotta zu verdanken und wenn sie mittlerweile ein Leben ohne viel Training und Trubel genießt, dann nicht weil andere sie ersetzen sondern weil ich ihr so dankbar bin für all die Arbeit, die sie über Jahre für mich geleistet hat, dass ich ihr diesen Freiraum von Herzen zugestehe. Lotta hat mir so viele Wünsche erfüllt – es ist schön zu sehen, dass ich ihr mit Laarni nun auch ihren Wunsch erfüllen konnte.

Irgendwann wird Laarni ihre eigenen Wege gehen – ob Lotta dann zurück ins Training geht, weiß ich nicht. Vielleicht genießt sie auch einfach den Rest ihres Lebens als Freigeist und ich das Gefühl, dass ich die beste Freundin an meiner Seite habe, die man sich im Leben nur wünschen kann – ehrlich, loyal und einfach unverbesserlich!

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