Stangenarbeit erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit im Pferdetraining. Längst hat man den effektiven Nutzen auch außerhalb der Ausbildung von Springpferden erkannt.

Immer häufiger werden bunte Reihen ins Training eingebunden und es wird mit zahlreichen Variationen gespielt. Eine Auswahl an Möglichkeiten findet man zum Beispiel auch in meinen Trainingsbüchern Stangenarbeit Teil I und II.

Mit Hilfe von Stangenarbeit können wir mit dem Pferd wahnsinnig vielfältig trainieren. Während das Pferd beim über die Stangen laufen Takt, Losgelassenheit, Koordination, Kadenz und Raumgriff verbessert, können wir Stangen auch als Gassen nutzen und so dem Pferd bei der Geraderichtung helfen. Grundsätzlich veranlasst die Arbeit mit Stangen das Pferd seine Beine mehr zu heben und dadurch die Bauchmuskeln vermehrt anzuspannen. Dies kommt ebenfalls dem Pferderücken zu Gute, genau so wie die erhöhte Aktivität der Hinterhand –Stangenarbeit ist also das Bauch-Beine-Po Programm für unser Pferd!

Mit verschiedenen Abständen kann ich beim Pferd verschiedene Aspekte trainieren. Größere Abstände fördern den Raumgriff, kürzere Abstände bei zeitgleicher Erhöhung die Kadenz. Gleichmäßige Reihen schulen den Takt,während Reihen mit verschiedenen Abständen die Aufmerksamkeit und Koordination schulen. Die Arbeit mit Gassen richtet das Pferd vermehrt gerade und Stangenarbeit auf dem Zirkel kann richtig genutzt die Längsbiegung verbessern. Ich kann also auf fast alle wichtigen Aspekte im Bezug auf die Gymnastizierung meines Pferdes mit Hilfe von Stangen sinnvoll fördern- und das nicht nur am Boden sondern auch unterm Reiter!

Kurzum: Stangenarbeit ist für Pferde aller Altersklassen, Reitweisen und Ausbildungsstände eine sinnvolle und effektive Möglichkeit die Ausbildung vielfältig zu unterstützen.

Heute stelle ich euch wiedermal eine meiner Lieblingsübungen aus meinen Trainingsbüchern vor. In dieser Übung geht es vor allem um die Durchlässigkeit des Pferdes und um die Längsbiegung – so ganz nebenbei verbessert sie zudem den Takt in Wendungen. Damit ist die „Schlange“ also ein echtes Multitalent!

Damit die Schlange nicht zum Frusterlebnis wird (sie ist anspruchsvoller als sie auf den ersten Blick vermuten lässt!), kann man das Pferd mit ein paar einfachen Übungen auf die neue Herausforderung vorbereiten. Schauen wir uns diese vorbereitenden Schritte zunächst einmal in Ruhe an!

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Eine der Grundvoraussetzungen ist die Arbeit in gebogenen Reihen. Diese sollte das Pferd bereits kennen und sicher absolvieren, ohne dass es aus dem Takt kommt und die Längsbiegung verliert. Am besten lässt sich dies auf der Zirkellinie erarbeiten, da diese für die Pferde in der Regel gut bekannte Linienführung dem Pferd wertvolle Sicherheit gibt und sich so sehr schnell ein Erfolgserlebnis einstellt.

Als weitere Komponente fügen wir Handwechsel über einer Stange hinzu. Zunächst einmal ganz simpel mit einer Stange bei X über die wir in Form von Achten („aus dem Zirkel wechseln“) wiederholt die Hand wechseln bis das Pferd diesen Wechsel flüssig und ohne Unterschied im Takt sicher meistert. Ist dies der Fall, sind drei Stangen auf der Mittellinie und mehrere Handwechsel in Form von Schlangenlinien eine weitere sinnvolle Vorbereitung.

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Unser Pferd hat nun alles an Rüstzeug was es für die Schlange braucht. Sich für solche vorbereitende Schritte Zeit zu nehmen ist wichtig, denn dann ist ein schnelles Erfolgserlebnis geradezu garantiert und wer Erfolg hat, ist in der Regel um so motivierter und geht freudig an neue Aufgaben heran. Mit solchen Pferden macht das Training dann auch gleich doppelt so viel Spaß!

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Die Schlange besteht aus neun Stangen, die S-förmig angeordnet werden. Wir erweitern also unsere Vorübung mit den Schlangenlinien über drei Stangen in den Bögen um je drei zusätzliche fächerförmig gelegte Stangen. Für den Anfang die Abstände zwischen den zwei Bögen ruhig ein klein wenig großzügiger wählen, dass erleichtert dem Pferd den Ablauf, weil es etwas mehr Zeit hat sich zu sortieren.

schlange_linie Die Linienführung ist simpel und hat es dennoch in sich. Wenn wir uns bemühen die Stangen immer mittig anzureiten, bekommen wir eine schön gleichmäßige Linie, die unserem Pferd zu einer gleichmäßigen Längsbiegung verhilft. Wichtig ist es hier die innere Pferdeschulter schön leicht werden zu lassen, damit die Biegung sauber gelingt.

Der Handwechsel in dieser Übung verbessert ohne Frage die Geschmeidigkeit und Durchlässigkeit des Pferdes unter dem Reiter. Das Verschieben der Schulter ist hier unerlässlich und die Pferde tun sich auf Grund der optisch gut vorauszusehenden Linienführung oftmals leichter der Reiterhilfe Folge zu leisten.

Wer den Anspruch und den Trainingseffekt steigern möchte, kann einzelne Stangen beidseitig oder zum Beispiel auch einseitig im Wechsel erhöhen und sich so einer weiteren Herausforderung stellen. Auch lassen sich die Bögen um jeweils zwei weitere Stangen ergänzen – der Schwierigkeitsgrad der Übung wird so noch einmal erhöht.

Für diejenigen, die am Boden gut unterwegs sind und flüssige Handwechsel spielend beherrschen, lässt sich die Schlange auch am Seil bzw an der Longe gut erarbeiten – das Umschalten innerhalb der Stangenreihe erfordert auch beim Menschen Achtsamkeit und Koordination!

Viel Spaß beim Ausprobieren! 🙂

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