Sie bloggt über Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung und machte sich vor Jahren in Begleitung ihrer Stute Faible auf die erkenntnisreiche Reise zum eigenen Ich: Miri vom Blog MeinFaible. Ihr Wissen gibt sie heute als Coach an Interessierte weiter und kämpft gleichzeitig für mehr Achtsamkeit und ein besseres Verständnis zwischen Mensch und Pferd. Miri für meine Interview-Reihe „11 Fragen an…“ als Interview-Gast zu gewinnen war ein kleiner Herzenswunsch von mir. Hier sind ihre berührenden und inspirierenden Antworten!

Was verbindest du mit Pferden, was fasziniert dich an ihnen?

Mit Pferden verbinde ich Glück, Sehnsucht, Herausforderung und vor allem Lebensweg-Begleitung. Mich fasziniert vor allem ihr Gespür für das, was uns Menschen gerade gut tut. Aber auch die Gabe, uns auf großes Entwicklungspotential zu stoßen, auch wenn das manchmal ziemlich unbequem sein kann.

Haben Pferde dich als Mensch in irgendeiner Weise besonders geprägt? Was hast du von ihnen gelernt?

Ganz klar: Ja! Für mich waren Pferde schon immer Teil meines Lebens, lange bevor sich mit 22 Jahren dann endlich der Traum vom ersten eigenen Pferd erfüllt hat. Meine Stute Faible hat dann damals alles, was ich bisher zu wissen glaubte, „auf links gedreht“ und mich damit vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Ihr Nein zu konventionellen Methoden hat ganz viel in mir selbst verändert.

Erst später ist mir klar geworden: Damals begab ich mich nicht nur auf die Reise zu einer respektvollen Beziehung mit dieser Stute, sondern vor allem auf eine Reise zu mir selbst. Durch Faibles Mut und ihren deutlichen Wunsch gehört zu werden, konnte ich in meiner eigenen Entwicklung auch immer mehr auf meine Gefühle hören.

Nicht zuletzt hat mich die Reise mit diesem besonderen Pferd zurück zu meiner alten Leidenschaft dem Schreiben gebracht und meinen beruflichen Werdegang geprägt. Auch wenn Faible nicht für meinen beruflichen Erfolg verantwortlich ist, so ist sie doch meine Muse, vielleicht größte Kritikerin und gleichzeitig die beste tierische Begleiterin, die ich mir wünschen kann.

Was bewegt dich dazu dein Leben bzw deine Arbeit mit Pferden auf diverse Social Media Kanälen zu zeigen?

Für mich bedeutete Social Media und Pferde am Anfang vor allem die Entwicklung mit Faible für mich selbst festhalten zu können. Es dauerte über ein Jahr, bis ich meine Beiträge auch öffentlich teilte und mich in den direkten Austausch mit anderen Pferdemenschen begab.

Heute ist Social Media für mich eine bunte Mischung aus Inspirationsaustausch, Arbeit und der Verbindung mit Menschen auf der ganzen Welt, die meine Leidenschaft für Pferde teilen.

Für mich bedeutet Social Media auch, dass ich meinen Traumberuf leben und meine Ideen und mein Wissen mit den Menschen teilen kann, für die sie einen Mehrwert haben.

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Was schätzt du an der Social Media Community der Pferdewelt und was empfindest du als eher negativ?

Ich schätze den Austausch und die Möglichkeit sich gegenseitig zu inspirieren und zu bereichern. Das hat sich für mich in den vergangenen Jahren als unglaubliche Bereicherung herausgestellt, gerade in Hinblick auf Themen, für die man in den meisten Ställen noch belächelt wird (zum Beispiel Clickertraining und positive Verstärkung). Dank des Internets können wir uns mit Menschen auf der ganzen Welt austauschen, ganz egal wie viele Kilometer und Grenzen uns trennen.

Für die Gemeinschaft würde mir vor allem weniger Druck wünschen – gar nicht unbedingt auf das Training mit Pferden bezogen, sondern vor allem auf die Köpfe und Herzen der Menschen. Wir machen es uns oft gegenseitig schwer, wenn wir uns miteinander vergleichen. Es gibt so viele inspirierende Pferd-Mensch-Paare in dieser Welt, die durch ihr Anderssein eine große Bereicherung sind.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, statt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen und möglichen Fehlern im Weg der anderen Pferdemenschen – das wäre toll! Und ich würde mir wünschen, dass man sich noch mehr füreinander freuen kann und die Community gegenseitig aus den Fehlern der anderen lernen kann – den Pferden und der eigenen Entwicklung zuliebe.

Wenn du dir etwas für die Pferdewelt wünschen könntest, was wäre das?

Für die Pferde wünsche ich mir glaube ich an erster Stelle ein artgerechtes Leben in einer Haltung, die ihrem Wesen entspricht und ihnen Raum gibt – physisch und auch psychisch. Ich beobachte in unserer Herde oft, wie sich die einzelnen Tiere Ruhe und Auszeiten voneinander nehmen, oder in kleinen Gruppen zusammenstellen, in denen sie sich gerade wohl fühlen.

Die Selbstbestimmung über Tagesablauf, Futterzeiten, Freundschaften und Bewegung empfinde ich für meine Stute heute als höchstes Gut. Wenn wir uns bewusst machen, dass das Pferd den größten Teil seines Lebens ohne uns verbringt, und wir es meist eben nur wenige Stunden am Tag besuchen, dann sollten wir ihrem Alltag ohne uns auch einen besonderen Stellenwert geben.

Stell dir vor du kommst nach einem stressigen Tag in den Stall, was würdest du als erstes tun?

Durchatmen! Am liebsten halte ich schon auf dem Weg zu den Pferden an einer ganz bestimmten Stelle an und steige da sogar manchmal aus dem Auto aus, wenn ich besonders viel Stress im Gepäck habe. Dort lasse ich den Blick über das Tal schweifen, in dem mein Pferd zuhause ist, und werfe in Gedanken den Ballast ab, der unsere gemeinsame Zeit stören würde.

Mir hilft das Mantra: Was ich gerade nicht verändern kann, das muss ich auch nicht mit mir tragen.

Wenn ich mich leichter fühle, atme ich noch einmal tief ein und aus und bin dann bereit für mein Pferd.

Was ist dir bei Pferden am wichtigsten? Wie muss ein Pferd sein damit es dir gefällt?

Mir gefallen Pferde mit Charakter. Ich habe mich schon immer gerne mit Tieren auseinandergesetzt, die aus der Reihe tanzen und besondere Aufmerksamkeit brauchen. Natürlich bringt jedes Tier seine Besonderheiten mit, aber bei manchen funkt es eben auf eine spezielle Art und Weise und meine Neugier ist geweckt.

Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass man sich auch zwischen Tier und Mensch manchmal einfach nicht riechen kann. Nicht so, dass ich eine Abneigung gegen das Tier spüre, aber es für uns beide einfach okay ist, wenn der andere da ist, ohne dass wir uns füreinander interessieren und Kontakt aufnehmen müssen.

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Was war dein schönstes Erlebnis mit Pferden?

Oh, da gibt es so viele schöne Erlebnisse. Ich weiß noch, wie ich mit meiner langjährigen Reitbeteiligung, einer Trakehnerstute, damals oft einfach direkt von der Wiese mit Halfter und Strick ausgeritten bin. Das war viele Jahre für mich Alltag und ganz selbstverständlich. Sie war schnell wie der Wind, hat mich aber immer achtsam auf ihrem Rücken mitgenommen, auch im wildesten Galopp.

Mit Faible kann ich so noch lange nicht in den Wald ziehen, vielleicht müssen wir das auch gar nicht erreichen. Aber ich bin rückblickend dankbar für die unzähligen Momente in meiner Reiterjugend, in denen ich blindes Vertrauen erleben durfte.

Jetzt bei Faible denke ich vor allem gern an unsere ersten Male zurück. Als sie sich zum ersten Mal direkt neben mir gewälzt hat, als ich mich ohne Sattel auf ihren Rücken getraut habe, als wir unseren ersten Galopp im Gelände erlebt haben, …

Die größte Herausforderungen in der Arbeit mit Pferden ist für dich…?

Für mich ist das Thema Achtsamkeit seit ein paar Jahren sehr wichtig geworden. Nicht so selbstkritisch sein, einfach mal machen, statt zu grübeln, und dem eigenen Bauchgefühl nachgehen. Je mehr man über Pferde lernt, desto höher wird auch der Anspruch an die eigene Arbeit – so empfinde ich es zumindest.

Mir hilft dabei die Philosophie der positiven Verstärkung sehr: Kleine Schritte machen, Fehler erlauben, an seine Träume glauben und nicht zu sehr auf einen bestimmten Weg pochen.

Das Leben steckt eben immer wieder voller Überraschungen, die unsere Pläne durchkreuzen. Und nicht zuletzt arbeiten wir mit Pferden, die ihre eigenen Ideen, Gefühle und Pläne mit in die Zusammenarbeit bringen. Darauf Rücksicht zu nehmen und trotzdem auch auf sich selbst zu achten, das empfinde ich als eine große Herausforderung.

Deine Gegenwart ist sehr von Pferden geprägt, was wünschst du dir für deine Zukunft?

Ich bin ganz sicher, dass Pferde immer eine Rolle in meinem Leben spielen werden. Derzeit stehe ich kurz vor der Geburt meines ersten Kindes und für die Zukunft wünsche ich mir deshalb, dass ich weiterhin mit den Pferden an meiner Seite wachsen darf und sie ein wichtiger Teil meines Lebens bleiben.

Sicherlich wird sich mit Baby einiges für mich verändern, aber ich freue mich sehr auf dieses neue Abenteuer und habe schon in der Schwangerschaft erleben dürfen, was für eine unglaubliche Unterstützung Faible für mich ist.

Wenn du ein Pferd wärst, dann wärst du…?

Oh, das finde ich schwer zu sagen. Was schlaksiges mit langen Beinen auf jeden Fall, definitiv eine Stute mit kritischem Blick und trockenem Humor. Ich hätte meinen eigenen Kopf und es würde mir schwer fallen, entgegen meiner Überzeugungen zu handeln und mich Ideen unterzuordnen, die ich blöd finde.

Ach verrückt – das passt ja alles auf Faible.
Wie war das noch: Dein Pferd ist dein Spiegel..?

Liebe Miri, ich danke dir dass du dir in dieser für dich sehr aufregenden Phase deines Lebens die Zeit genommen hast für dieses Interview zur Verfügung zu stehen! Deine Antworten haben mich sehr berührt und ich wünsche dir für den vor dir liegenden neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute!

Mehr über Miri und ihre Arbeit findet ihr bei Facebook unter MeinFaible, auf Instagram und auf ihrer Homepage www.meinfaible.de

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