Deutschland ist ein reiches Land, wir leisten uns – im Vergleich zu vielen anderen Ländern auf dieser Welt – eine Menge Luxus, auch für unsere Tiere. Gerade die Industrie rund um das Pferd ist ein gutes Beispiel dafür. Eigentlich dürfte man meinen, dass es unseren vierbeinigen Lieblingen an nichts fehlt und man als Pferd hier ein gutes Leben hat. Trotz allem, ist auch in einem so weit entwickelten Land wie dem unseren noch lange nicht selbstverständlich, was viele Pferdeliebhaber dennoch längst tun: mit unseren Pferden gut umzugehen.

Gewalt gegenüber Pferden – sei es generell oder als „erzieherische Maßnahme“ – ist immer wieder ein Thema, das zu hitzigen Diskussionen führt. Wo fängt Gewalt an, wo hört sie auf? Was ist überhaupt Gewalt?

Im Gesetzestext wird Gewalt „als körperlich wirkenden Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder sonstige physische Einwirkung, die nach Intensität dazu geeignet ist, freie Willensentscheidung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen“ definiert. Doch Gewalt kann auch psychisch sein. So oder so spiegelt sie immer einen Drang des „beherrschen wollens“ wieder, egal in welcher Form sie auftritt. Mit Macht den eigenen Willen durchsetzen und damit einem anderen bewusst und gewollt Schaden zufügen. Respektvoller Umgang? Fehlanzeige…

Dabei gibt es in unser heutigen Zeit so viel wissenschaftlich belegtes Material über artgerechte Pferdehaltung, Lernverhalten, Pferdegesundheit usw. und dank der Möglichkeiten des Internets ist dies überall leicht zugänglich. Wir stehen mitten in einem unerschöpflichen Pool aus Information und Wissen, der nur darauf wartet, dass wir ihn erkunden. Wer dies nicht nutzt und lieber auf veraltete Methoden zurück greift, der handelt wissentlich und willentlich. Solche Menschen gehören oft zu denen, für die Gewalt gegenüber Pferden alltäglich ist. Schlimmer noch, sie ist normal und wird in keiner Weise hinterfragt. War immer so, hat immer funktioniert, ist folglich also auch völlig legitim.

Doch wo liegen die Grenzen? Sie sind oft schwimmend und geprägt von subjektivem Empfinden. Der eine sieht in körperlichem Bedrängen, Ignorieren oder Ausgrenzen bereits Formen von Gewalt gegen das Pferd. Für andere ist dies gewaltfreie Erziehung. Weniger gestritten wird dagegen bei Schlaufzügeln, übermässigem Peitschengebrauch, Barren, Haut reizenden Mitteln unter Bandagen, Wasserentzug usw. Doch auch hier gibt es immer noch Menschen, die auch solche Methoden versuchen zu rechtfertigen und leider auch Trainer, die solche Dinge nach wie vor einsetzen. Dabei kommen wir hier schon in Bereiche, wo Gesetze zum Schutz der Tiere greifen (sollten…). Doch so lange flächendeckende Kontrollen für die Behörden nicht umsetzbar sind, wird sich hier wohl nicht viel ändern. Ein trauriges Abbild dessen, wie wenig Beachtung man Tierquälerei in diesem Land von Seiten der Gesetzgebung schenkt. Andere Länder sind da bereits um einiges weiter. So gilt in den USA seit 2016 Tierquälerei als Kapitalverbrechen. Dänemark hat die Strafen für Tierquäler im selben Jahr verdoppelt.

Es gibt so viele Alternativen, die über die Jahre völlig zu Recht einen Platz im Pferdetraining gefunden haben und längst etabliert sind. Wer damit argumentiert, dass Pferde sich untereinander ja auch so verhalten würden, der hat recht wenig verstanden. Eine Herde ist ein ziemlich soziales Gefüge. Selbst Wildpferde, die fernab vom Menschen groß werden, neigen nur zur Gewalt, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Kein Pferd ist von Geburt an aggressiv. Wir haben als Mensch also auch keinen Grund uns dem Pferd gegenüber mit Gewalt behaupten zu müssen. Ein Pferd, das freudig und positiv lernt, ist ein verlässlicher Partner. Ein Pferd, das unter Gewalt lernt, eine tickende Zeitbombe.

Eigentlich sollten wir heutzutage genug über das Wesen unserer Pferde gelernt haben, um es richtig zu machen. Beruht eine Partnerschaft nicht auch auf Respekt, Vertrauen, ja sogar auf Achtung? Wie kann unter so großen, ja so gehaltvollen Begriffen ein Wort wie Zwang oder gar Gewalt existieren? Wer Zwang oder Gewalt ausübt, der respektiert oder achtet nicht. Er beherrscht… Wie soll ein Pferd jemandem vertrauen, sich ihm vielleicht sogar anvertrauen, wenn er ihm so gegenüber tritt? Doch viel wichtiger: Wie kann ich an einer solchen angeblichen Partnerschaft Freude haben? Wir wollen doch Spaßen haben, Spaß mit und an unserem Pferd und auch der Pferd hat ein Recht darauf Spaß zu haben. Spaß und Partnerschaft – da kann Zwang, ja gar Gewalt keinen Platz haben!

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