Es gibt sie manchmal, diese Phasen in denen einfach gar nichts gelingen will. In denen man gefühlt auf der Stelle tritt, in denen eine schlechte Nachricht die nächste jagt und es immer wenn man denkt noch schlimmer kann es ja nicht werden eben genau das wird: schlimmer. Jeder kennt das, jeder hat es schon mal erlebt – und die Blogger Welt schweigt am liebsten drüber. Pech haben, Fehler machen… die Angst den Ansprüchen anderer nicht gerecht werden zu können, Erwartungen einer Community nicht erfüllen zu können, zu enttäuschen… Angst vor Anfeindungen, einem Shit Storm… Sorge um das eigene Image… Was will ich zeigen, was kann ich zeigen, was darf ich zeigen? Das Leben bestimmt von dem was andere sehen wollen oder nicht sehen sollten – und so entsteht ein heiles Bild. Ein falsches Bild. Blogger-Alltag… Leben in einer Realität, die gar keine ist.

Es läuft… zwar rückwärts und bergab, aber es läuft… so fühle ich mich gerade. Nach einem halben Monat „Hausarrest“, weil ich dieses blöde Virus einfach nicht loswerde. Genau so lange haben meine Pferde nun schon „arbeitsfrei“, sehen mich nur wenn Kraft und Kreislauf es zulassen und alles bleibt liegen. Dabei müsste ich doch eigentlich den Prototyp für Devons Sattel probereiten, müsste Onestá weiter ausbilden, Catori beschäftigen, Lotta wieder antrainieren, Laarni absetzen, Anton auf seinen ersten Auftritt vorbereiten und mir Gedanken über Gandis Körvorbereitung machen. Ich müsste Paddocks abäppeln, Heunetze stopfen, Wassereimer schleppen, Fotos und Videos für Sponsoren drehen, Artikel für den Blog schreiben, meine Facebook-Seiten dringend mit neuen Beiträgen füllen, für YouTube endlich neue Videos drehen und schneiden, von Instagram mal ganz zu schweigen… und eigentlich, ja eigentlich müsste ich dringend mal wieder unterrichten, zu meinen Kunden fahren, die Trainingsfortschritte überprüfen und präsent sein. Ein halber Monat Verdienstausfall ist bei hauptberuflicher Selbstständigkeit eine mittlere Katastrophe. Ich müsste so vieles tun und kann es nicht und sich das einzugestehen, zu verstehen dass der Körper seine Auszeit braucht, dass das Leben da draußen eben mal ohne mich läuft, ja das ist verdammt nochmal nicht leicht für mich. Ich bin nicht gut darin die Füße still zu halten. Das konnte ich als Kind mit Bravour, aber seitdem hat sich mein Leben wahnsinnig verändert und ich bin das einfach nicht mehr gewohnt. Mir fällt die Decke auf den Kopf – die Zimmerdecke, von der ich jeden Quadratzentimeter mittlerweile auswendig kenne.

Die letzten Tage ging es in Sachen Kreislauf und Kraft bergauf. Endlich. Ich hab meine Pferde mal wieder gesehen – nur kurz, aber immerhin. Ich schaffe eh nur das nötigste und brauche für alles doppelt so lange, aber egal, Hauptsache raus und die Nase in Devons Mähne vergraben können, Onestás Schopf durchwuscheln und Catori daran erinnern, dass Menschen nicht so schlimm sind wie er manchmal denkt. Die Ponys hab ich gefühlt ewig nicht gesehen, dafür reicht es dann eben doch noch nicht, aber sie sind zum Glück bestens versorgt.

Ich hab immer gesagt so lang meine Stimme noch funktioniert kann ich unterrichten und habe einen sicheren Job. Geritten wird eben immer irgendwo. Nun ist die letzten Tage und Wochen genau das passiert wovor ich am meisten Angst habe – meine Stimme versagt. Sprechen kostet wahnsinnig viel Kraft, ich muss die Worte förmlich raus pressen. Nachdem es besser wurde und auch der Kreislauf ganz gut mitspielte, habe ich gestern versucht zu unterrichten. Am Abend hat die Stimme wieder kapituliert. Nun sitze ich wieder hier und muss mir eingestehen, dass ich eben noch nicht wieder arbeiten kann. So gern ich auch möchte. Natürlich macht man sich Gedanken… was denken die Kunden, was machen sie in der Zwischenzeit, bleiben sie einem treu, suchen sie sich wen anderes? Kommen sie zurecht, gibt es Probleme, was macht das Training? In meinem Kopf tobt ein nicht enden wollendes Gedanken-Karussell und jeder Tag, der zwischenzeitlich verstreicht, macht es nicht besser. Die traurige Realität. Aber genau das ist es eben: Realität. Nicht rosarote Wendy-Welt, in der ich mit meinen Pferden im Sonnenschein über die Wiesen tanze und mein Glück genieße. Stattdessen stand ich die letzten Wochen teilweise kraftlos oder gar mit Fieber im Stall und hab zwischen Hustenanfällen meine Pferde versorgt, weil es eben meine Pflicht und Verantwortung ist und nicht immer jemand zu finden ist, der einspringen kann. Gefühlt läuft alles nur mit angezogener Handbremse und das macht mich wahnsinnig. Aber jetzt im Moment ist das eben so.

Das ist die Realität. Genau so wie die Tatsache, dass Onestá bei den ersten Einheiten unterm Sattel vehement mit dem Kopf geschlagen hat, dass Devon eben auch nicht immer locker flockig zu reiten ist oder gerne an der Longe die Sau rauslässt und ich an manchen Tagen aufs Paddock gehe und Catori vor mir davon läuft. Er kommt dann nach einer Weile und alles ist gut, aber ich müsste lügen wenn ich behaupten würde, dass ich ihn zu jeder Zeit einfach so völlig selbstverständlich holen könnte. Kann ich nicht. Zumindest seit dem Stallwechsel nicht mehr. Für mich ist das okay, weil ich davon überzeugt bin, dass das auch wieder wird und es oft genug eben doch auch geht.  Ganz abgesehen davon ist mein spanischer Seelenfänger übrigens gerade mangels Training schlichtweg zu dick und fürchterlich unbemuskelt.

Ich könnte diese Liste ewig weiterführen und noch so viele Beispiele nennen… dabei ist es gar nicht meine Art über all das zu jammern – und genau deshalb lest ihr all das auch nirgendwo. Aber vielleicht ist es einfach wichtig mal zu zeigen, dass „hinter den Kulissen“ auch nicht immer alles glatt läuft. Jeder Blogger hat irgendwo eben auch ein normales Leben mit normalen Problemen, jeder Trainer hat mal Phasen wo es mit dem eigenen Pferd eben auch nicht so läuft. Phasen die man überwindet, aber mit dem Finger schnippen und zaubern können wir eben am Ende auch nicht – und am Ende steht dann wieder die Frage: Was will ich zeigen, was kann ich zeigen, was darf ich zeigen?

Ich für meinen Teil habe beschlossen zukünftig mehr Farbe zu bekennen. Nicht nur die rein-weiße Flagge zu schwenken sondern die volle Farbenvielfalt der guten und schlechten Phasen meiner Realität zu zeigen. Mich nicht dafür zu rechtfertigen warum ich dies und das so und so mache, auch wenn es in den Augen anderer vielleicht ein No-Go ist. Einzustehen dafür wer ich bin, was ich bin und was ich tue oder eben nicht. Fehler nicht zu verstecken sondern offen zu zeigen, damit andere sie vermeiden können, weil ich ihnen das, was ich aus meinen Fehlern gelernt habe, als Rüstzeug mit auf den Weg geben kann. Egal ob in einem Video, in einem Artikel oder sonst wie.

Es ist Zeit für mehr Realität – echte Realität. Keine „beschönigte Wahrheit“. Wir sind Menschen, die mit Tieren arbeiten. Hier geht es nicht um Maschinen und auch nicht um Einschaltquoten. Hier geht es um Leben. Gemeinsames Leben. Da gehört all das eben dazu. Ob wir wollen oder nicht.

…und ja, es läuft gerade rückwärts und bergab… aber ich hole ja nur Schwung für den Anstieg 😉

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